Verlautbarung und Selbstverpflichtung​ LageB-HPM-Klausur

Im Nachgang zu ihrer Klausur am Wolfgangsee haben die hauptamtlich-pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bildungswerke in Württemberg eine Verlautbarung und Selbstverpflichtung erstellt und veröffentlicht. Diese umfasst die drei Themenbereiche:
- Bildung strategisch weiterentwickeln
- Digital fit werden und bleiben
- Gemeinwohlorientiert handeln und wirtschaften

Verlautbarung und Selbstverpflichtung
LageB-HPM-Klausur vom 8.-10. Juli in St. Wolfgang

 

Bildung strategisch weiterentwickeln

(Kreis-)Bildungswerke werden wichtiger für (Kirchen-)Gemeinden, da diese in Zukunft größer werden, in Verbünden arbeiten oder fusionieren. Dadurch bekommen Dienstleistungen von (Kreis-)Bildungswerken immer mehr Bedeutung, z.B. auch um (Kirchen-)Gemeinden zu entlasten. Um dies zu gestalten benötigen die Geschäftsführungen in den (Kreis-)Bildungswerken ausreichend zeitlichen Freiraum, auch für strategische und organisatorische Leitungsaufgaben. Um weiterhin gut vor Ort präsent zu sein, wird die Gewinnung, Einbindung und Wertschätzung von Ehrenamtlichen in den Fokus gerückt werden. Die pädagogischen Mitarbeitenden in den (Kreis-)Bildungswerken sollen sich zukünftig verstärkt um die Bildungsorte (z. B. Kirchengemeinden) in den Regionen bzw. Distrikten kümmern können. Sie begleiten diese bei der Programm- und Angebotsplanung und betreuen die gemeindliche Erwachsenenbildung. Hierfür ist die personelle Ausstattung in den (Kreis-)Bildungswerken entsprechend zu erhöhen. Darüber hinaus wird die gemeindliche Erwachsenenbildung von den (Kreis-)Bildungswerken bei der Kommunikation und der Abwicklung der Bildungsveranstaltungen unterstützt. Die Geschäftsführung der (Kreis-)Bildungswerke sind das gleichberechtigte Gegenüber der kirchlichen Bereiche Verkündigung, Seelsorge, Diakonie und schulische Bildung. Sie verkörpern die zentrale Bedeutung der Bildung für die kirchliche Arbeit und sind vom Selbstbewusstsein getragen, dass Kirche ohne Bildung nicht ihrem Auftrag nachkommen kann.

Was wollen wir tun: Die Geschäftsführungen in den (Kreis-)Bildungswerken in Württemberg werden sich zukünftig strategisch besser aufstellen und zusammen mit der Landesstelle eine zukunftsfähige Strategie entwickeln. Ziel ist, die Bildungsarbeit auch weiterhin als zentrale Aufgabe von Kirche zu positionieren.  Die (Kreis-)Bildungswerke setzen sich für eine stärkere Zielgruppen- und Bedürfnisorientierung ein. Darüber hinaus gestalten sie die Markenführung inkl. Corporate Design für ihren Kontext und lassen sich gegebenenfalls professionell beraten. 

 

Digital fit werden und bleiben (Medienkompetenz und Medienethik)

Als Erwachsenenbildung verstehen sich die (Kreis-)Bildungswerke als Digital-Dienstleisterin für die Gemeinden – sie entwickeln Schulungsmodule für hauptamtliche Mitarbeitende und Gemeindemitglieder zu digitalen Angeboten. Dafür müssen die IT-Strukturen kirchlicher Einrichtungen dringend professionalisiert werden.

Medienkompetenz und Medienethik sind Themen in der Erwachsenenbildung, die in Zukunft mehr an Gewicht gewinnen werden. So wird die Förderung der Medienkompetenz über Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche hinaus, auch für Erwachsenen relevant.  Die (Kreis-)Bildungswerke benötigen hierfür vermehrt finanzielle Mittel, die in eine entsprechende technische Ausstattung fließen und die Nutzung und das Angebot von Veranstaltungen zur Medienkompetenz und Medienethik ermöglichen.

Was wollen wir tun: Die (Kreis-)Bildungswerke haben bereits eine Arbeitsgruppe (AG) Digitalisierung eingerichtet. Die AG Digitalisierung erarbeitet strategische Vorschläge, fördert die Implementierung der Lernplattform und unterstützt die Geschäftsführungen und die pädagogischen Mitarbeitenden der (Kreis)-Bildungswerke in digitalen Fragen. Das bedeutet beispielsweise allen Mitarbeitenden ausreichend Zeit und finanzielle Ressourcen für Schulungen (zum Beispiel im Bereich Onlinemarketing / Kommunikation in sozialen Medien) einzuräumen. Außerdem sollten digitale Kenntnisse in das Anforderungsprofil bei Neubesetzungen integriert werden.

Die pädagogischen Mitarbeitenden in den (Kreis-)Bildungswerken verstehen Medienkompetenz als Querschnittsaufgabe und werden diese stärker in Bildungsangebote integrieren. Dazu gehört es, Bildungsmodule aufzunehmen, die Menschen zur kritischen Quellenprüfung und zur Dialogfähigkeit in den digitalen sozialen Medien sensibilisiert.

 

Gemeinwohlorientiert handeln und wirtschaften 

Die planetaren Grenzen sind erreicht, einige der Grenzen (Verlust der biologischen Vielfalt, Klimakrise und globaler Phosphor- und Stickstoffkreislauf, Abholzung der Wälder) sind weit überschritten. Das erfordert einen noch stärkeren Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung sowie eine Debatte darüber, was zukunftsfähiges Wirtschaften ausmacht. Die Gemeinwohl-Ökonomie ist ein Vorschlag für eine alternative Wirtschaftsordnung. Eine Gemeinwohl-Bilanzierung zeigt auf, in welchen Feldern Organisationen und Unternehmen zum Gemeinwohl beitragen und wo Verbesserungsbedarf besteht. Ein Pluspunkt kirchlicher Einrichtungen bei der Bilanzierung: Gemeinwohlorientierung ist ein genuin kirchlicher Auftrag.

Was wollen wir tun: Gemeinwohl-Ökonomie soll Teil von Bildungsangeboten in der Erwachsenenbildung werden. Denn eine (auch theologische) Debatte über den Umgang mit den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln – in Bildungswerken wie im Finanzausschuss – ist dringend notwendig. Bildungsangebote, zu wirtschaftlichen Themen, können beispielsweise in Kooperation mit Unternehmen in der jeweiligen Region, die bereits Gemeinwohlbilanzen erstellen, durchgeführt werden. Oder gemeinsam mit Ortsgruppen der Gemeinwohl-Ökonomie Bewegung. Die (Kreis-)Bildungswerke werden – neben der Gemeinwohl-Ökonomie – weitere Konzepte nachhaltigen Wirtschaftens und Handelns diskutieren und eine kirchliche/theologische Perspektive in die Postwachstumsdebatte einbringen.