Schwarze Löcher, die Weite des Alls und die Adventszeit

Gedanken von Prof. Dr.-Ing. Rainer Dietz, Professor für Elektrotechnik an der Hochschule Pforzheim.

Der diesjährige Nobelpreis für Physik ging – unter anderem – an einen deutschen Forscher, den Astrophysiker Reinhard Genzel, Direktor des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching bei München. Er teilt den Preis mit der US-amerikanischen Astronomin Andrea Ghez und dem Briten Roger Penrose.
Ich bin Ingenieur – kein Physiker, und schon gar kein Astrophysiker. Und dennoch bin ich fasziniert von dem, was in den Weiten des Alls entdeckt und erkundet wird, was meine Vorstellungskraft – offen gestanden - bei weitem übersteigt. Dank den Forschungsergebnissen wissen wir jetzt, dass auch das Zentrum unserer Galaxie ein supermassives schwarzes Loch ist, dessen Masse sogar beziffert werden kann. Ich habe es nachgelesen: dieses schwarze Loch hat die 4,31 millionenfache Masse unserer Sonne.

Faszinierend ist auch, dass das, was Albert Einstein in seiner allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt hat, nun auch durch Messungen im Zentrum unserer Galaxie bestätigt wurde. Zwei von Einstein prognostizierte Effekte konnten nachgewiesen werden: Die Gravitations-Rotverschiebung, die daraus resultiert, dass das Licht nicht unbeeinflusst von der Gravitation ist, und die Schwarzschild-Präzession, beobachtet am Stern S2, der das Massemonster mit hoher Geschwindigkeit umrundet. Die Bahn dieses Sternes steht nicht fest, so dass mehrere Umläufe gleichsam eine Rosette ergeben. Beide Effekte stehen in Widerspruch zu der klassischen Gravitationstheorie von Newton, bestätigen aber die allgemeine Relativitätstheorie von Einstein. Die Präzessionsbewegung war zwar lange vorher schon von unserem Planeten Merkur bekannt, aber jetzt ist man mit den Messungen in eine andere Entfernungsdimension vorgedrungen: Das Herz unserer Milchstraße ist rund 26000 Lichtjahre entfernt.

Möglich waren diese Messungen durch eine faszinierende Messtechnik: Vier Acht-Meter-Spiegel wurden optisch zusammengeschaltet. Dank dieser Technik erreicht man die Leistung eines virtuellen Teleskops mit einem Durchmesser von 130 Metern. Und zuvor musste eine adaptive Optik zum Ausgleich der Luftunruhe entwickelt werden. Da waren bestimmt auch Ingenieure gefragt. Summa summarum ist die Winkelauflösung jetzt so gut, dass man bei einem “nahe gelegenen” Objekt wie dem Mond einen Gegenstand in der Größenordnung von wenigen Zentimetern auflösen kann. Vor 30 Jahren, als Reinhard Genzel mit seinen Forschungen begonnen hat, war diese Dimension unvorstellbar.

Aber es geht weiter: Das Team von Reinhard Genzel will die Messtechnik nochmals um einen Faktor 100 verbessern, um weiter ins Weltall vorzustoßen. Noch weiter entfernte supermassive schwarze Löcher, die mutmaßlichen Zentren anderer Galaxien, sollen untersucht werden. Und eines Tages wird die Experimentalphysik – so äußerte er sich in einem Interview – auch mit hoher Wahrscheinlichkeit Fakten entdecken, die mit der Einsteinschen Relativitätstheorie nicht erklärt werden können – ob in den Weiten des Alls oder im Vordringen zu immer kleineren Skalen bei der Erforschung der Materie. Also ist auch das Erstellen und Postulieren von Theorien noch lange nicht am Ende – oder am Endgültigen – angelangt. Wir müssen damit rechnen, dass es wieder neue Erkenntnisse geben wird, die neue Fragen aufwerfen und alte Postulate in Frage stellen.

Etwas ganz Anderes fasziniert mich ebenfalls, wenn ich mir die Weite des Alls vorzustellen versuche: Wie klein ist der Mensch gegenüber dem, der das alles geschaffen hat. Und damit habe ich auch etwas Entscheidendes postuliert – nämlich dass ich mir das ganze All und auch unser Menschsein nicht ohne den Plan eines genialen Schöpfers erklären kann.

In Psalm 8 Vers 5 heißt es: “Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst”. Dieser Schöpfer sorgt sich um jeden einzelnen Menschen auf dem blauen Planeten, der in den Weiten des Weltalls hoffnungslos verloren erscheint. Faszinierend.

Bald ist Weihnachten, und Weihnachten heißt: Der Planet Erde wurde besucht. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist zu uns gekommen – um zu suchen und zu retten, was verloren ist. So sagt es die Bibel und ein Weihnachtslied bekennt kurz und knapp: “Welt ging verloren – Christ ist geboren”. Damit ist das Weihnachtsgeschehen einprägsam zusammengefasst.

Jesus ist die Brücke zum Vater – eine Brücke, die weiterführt als bis zur Mitte unserer Galaxie. Wer über diese Brücke geht, bei dem kann es wirklich Weihnachten werden. Ist vielleicht die bevorstehende Adventszeit, in der wir uns auf Weihnachten vorbereiten, eine neue Chance um auszuprobieren, ob diese Brücke trägt?

Der Besuch von oben ist bei mir angekommen, wenn ich Jesus ernst nehme und mein Leben auf ihn ausrichte. Und in diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine gesegnete Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.