Bewahrung der Schöpfung spielte in christlicher Theologie lange keine Rolle

Die christliche Theologie hat einen Anteil an der Klimakatastrophe. Diese Ansicht vertrat der Neuenbürger Dekan Joachim Botzenhardt. Er referierte auf Einladung der Evangelischen Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald, dem Bildungswerk der Kirchenbezirke Calw-Nagold und Neuenbürg, in Gräfenhausen im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zum Klimawandel.

Botzenhardt legte zunächst dar, wie Theologie seines Erachtens auch an der Klimakatastrophe beteiligt sei. Die biblische Aufforderung „Macht euch die Erde untertan“ führte seines Erachtens dazu, dass Ökologie und die Bewahrung der Schöpfung in der Theologie lange keine bedeutende Rolle spielten. Das westliche Christentum habe eine Bild von der Natur gehabt, das sich nicht von der säkularen Welt unterschied. Die Natur wurde als Rohstoff, als Sache gesehen, die man benutzten und verwerten könne. „Ein solch technokratisches Naturverständnis“ so Botzenhardt, „sieht die nichtmenschliche Schöpfung als Bühne, auf der sich das Schauspiel menschlichen Lebens abspielt“. Die Aufforderung „Macht euch die Erde untertan“ aus dem ersten Kapitel der Bibel, führte dazu die Erde als Objekt des Menschen zu sehen. Bei der Schriftlektüre müsse bedacht werden, dass diese ihren Ursprung in einer Zeit des Ackerbaus und der Viehzucht habe. Das technokratische Naturverständnis konnte sich laut Botzenhardt durch drei Aspekte entwickeln: Die Anthropozentrik – das Verständnis des Menschen als „Krone“ der Schöpfung; Die Entgötterung der Welt und die vergessene Schöpfungstheologie mit bedingt durch eine Priorisierung der Erlösungslehre. „Macht euch die Erde untertan“ habe laut Botzenhardt nie bedeutet „Macht die Erde kaputt“. Er präzisierte: „Die Erde hat genügend Ressourcen um die elementaren Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen. Aber sie hat nicht genügend Ressourcen, um Gier, Macht, Bereicherung und Egomanie zu befriedigen“.

Im zweiten Teil beschrieb Botzenhardt die ökologische Wende in der christlichen Theologie, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzte. In 1. Mose 2 werde die Schöpfung als Garten bezeichnet. „Wer die Natur als Garten ansieht, der hat sich doch längst in sie verliebt“ mutmaßte der Dekan. „Wir hegen und pflegen unsere Gärten“. Wird die Natur so begriffen, könne nicht mehr mit ihr umgegangen werden als sei sie eine Ware, eine Ressource, die man kaufen, benutzen oder verbrauchen könne. Er bezeichnete den Sabbat als „Krone“ der Schöpfung und nicht den Menschen. Der Mensch sei am sechsten Tag erschaffen worden, ebenso die wilden Tiere und das Vieh. Der Mensch musste seinen Schöpfungstag demnach mit den Tieren teilen. Neuere Lesarten verstünden den Menschen als finales Geschöpf – als das von den anderen abhängigste Geschöpf. So sei der Mensch auf die restliche Schöpfung angewiesen. Bevor Menschen den Garten „bebauen und bewahren“, wissen sie, dass sie von der Erde genommen sind und wieder zu Erde werden. Arroganz gegenüber der Natur stehe den Menschen demnach nicht zu. Von keinem anderen Geschöpf werde gesagt was für die Erde gelte: Sie reproduziere sich nicht selbst, sondern bringe Leben hervor. Zudem stehe die Erde seit Noah im Bund mit Gott.

Der Glaube an den rechtfertigenden Gott könne den Menschen motivieren, verantwortlich mit der Schöpfung umzugehen. Dies sieht Botzenhardt als Grundlage einer ökologischen Theologie. Der Glaube befreie den Menschen von der Sorge um sich selbst und von der Angst, zu kurz zu kommen sowie der grenzenlosen Gier und Abstumpfung gegenüber dem Leid anderer.

Am Ende seines Vortrags nannte Botzenhardt zwei konkrete Wünsche. Zum einen gelte es das Staunen wieder zu lernen und zum anderen bedürfe es einer Ethik des Genugs und eines Abschieds von der Ideologie des unendlichen Wachstums. Er schloss mit Worten der Zuversicht: „Wir brauchen keine Angst vor der Zukunft haben. Gott hält die Welt in seiner Hand. Auch wenn wir Menschen uns am Garten Eden versündigt haben, es ist und bleibt der Garten des Schöpfers. Wir haben einen lebendigen Gott, der uns und seine Welt in Händen hält“.

Nach dem Referat schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Die Veranstaltungsreihe endet am 22. Januar 2020 in Feldrennach mit einem Vortrag zum Thema „Suffizienz – Wie die Haltung der Genügsamkeit nicht nur das Klima verändert“.