04.01.19

Militärmanöver überschatten Studienreise nach Taiwan und China

Für Chinas Präsident Xi ist militärische Gewalt eine Option, um die Vereinigung mit dem Inselstaat Taiwan durchzusetzen. Das hat er bei seiner Neujahrsansprache 2019 deutlich zum Ausdruck gebracht. Für die Reisegruppe der Evangelischen Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald ist das keine Überraschung. Im Oktober und November waren sie 20 Tage auf einer außergewöhnlichen Reiseroute unterwegs, die beide Länder zum Ziel hatte.

Bericht über Studienreise nach Taiwan und China liegt vor

„Das häufige Donnern der Militärflugzeuge während ihrer Manöver in den Küstenregionen wird mir neben all den Schönheiten, die die Region zu bieten hat, lange in Erinnerung bleiben“, meint Reinhard Kafka, der die Reise mit Teilnehmern überwiegend aus Calw, Schömberg und Wildberg organisiert hat. In einem Bericht über die Reise vom 15. Oktober bis zum 3. November 2018 mit der Evangelischen Erwachsenenbildung nördlicher Schwarzwald haben die Teilnehmenden Ihre Eindrücke in China (Taiwan, Fujian und Hunan) festgehalten.

Taiwan will sich seine Unabhängigkeit bewahren trotz der massiven wirtschaftlichen Einflussnahme des großen Bruders auf dem Festland, der ganz im Stil des amerikanischen Präsidenten Donald Trump all die Länder und Firmen mit Boykott bedroht, wenn sie Handel mit Taiwan betreiben. Noch kann sich Taiwan aufgrund seiner auf die Chip-Herstellung und IT-Technologie basierenden Wirtschaftskraft behaupten, aber die Situation kann schnell umkippen.

Während an der Pazifikküste des Inselstaats sich eine Straßenbaustelle an die andere reiht, kann die Volksrepublik eine Infrastruktur vorweisen, die nahezu alles in den Schatten stellt, was in Europa Standard ist. Die Autobahnen sind in perfektem Zustand, die Hochgeschwindigkeitszüge sind auf die Minute pünktlich, Breitband ist selbst im Landesinneren verfügbar. Den Preis zahlen die Menschen, die sich dem überall spürbaren Leistungsdruck unterwerfen, der andererseits ganz in der Linie des konfuzianischen Denkens liegt, das beide Länder prägt. Aber der Überwachungsstaat ist in China überall präsent. Gesichtserkennung, Fingerabdrücke, Passkontrollen begegnen der Reisegruppe auch bei den Eingängen zu den vielen Nationalparks in zauberhaften Landschaften, die an die Zeichnungen vieler chinesischer Künstler erinnern. Politik konnte daher kein Gesprächsthema sein. Dafür waren die ehemaligen Kampfgefährten Chiang Kai shek in Taiwan und Mao Zedong auf dem Festland omnipräsent. Von 1949 bis 1979 hielten andauernde Bombardements mit Raketen und Granaten die Bevölkerung in den Grenzregionen beider Staaten in Atem. Wenn Chinas Präsident Xi die militärische Trumpfkarte aus dem Ärmel zieht, werden sich viele an diese Zeit erinnern. „Aber wir haben die besten Flugzeuge der Welt mit einer überlegenen Technologie“, zeigte sich ein Gesprächspartner in Taiwan überzeugt.

In ihrem mit vielen Bildern angereicherten Reisebericht haben die Teilnehmenden ihre teilweise ganz persönlichen Eindrücke festgehalten. Er steht unter der Homepage des Bildungswerks zum Download zur Verfügung. Für Reinhard Kafka war es die letzte Fernreise, die er für das Bildungswerk organisiert hat. „Es waren außergewöhnliche Erfahrungen, auf die die Reisenden u.a. auf den Wegen durch Tibet vor der Niederschlagung des Aufstands der Mönche, Myanmar zur Zeit der Militärregierung, das völlig verarmte Zimbabwe und das an Kulturschätzen reiche Äthiopien zurückblicken können. Im Iran lernten wir den Optimismus der Bevölkerung kennen, den sie mit einer Öffnung Richtung Westen verbunden hat. Nachher spürt man den Puls der Zeit und sieht im Rückspiegel, was sich zum Guten oder Schlechten verändert hat.“